Eine künstlerisch‑wissenschaftliche Studie von Heidrun Föhn und Yvette Rechsteiner

Menschen sind von Geburt an in soziale Strukturen eingebettet: Familie, Kindergarten, Schule, Beruf, Pflege. Dazwischen liegt eine Phase, die gesellschaftlich kaum gestaltet ist – die Jahre nach der Pensionierung, bevor Pflegebedürftigkeit eintritt. Forschung zeigt, dass gerade in dieser Zeit Einsamkeit, soziale Isolation und psychische Belastungen zunehmen können; sie erhöhen das Risiko für Depressionen, körperliche Erkrankungen sowie Alkohol‑ und Medikamentenmissbrauch.
Silberwork setzt hier an. Die Studie kombiniert Interviews, Feldforschung und künstlerische Experimente, um Bilder und Räume für eine neue Rolle älterer Menschen zu entwickeln. Statt Defiziten rückt das Projekt Ressourcen in den Vordergrund: Lebenswissen, Konfliktkompetenz, Zeit, Gelassenheit, biografische Tiefe. In Workshops und Gesprächsformaten entstehen Erzählungen, Zeichnungen, Fotosequenzen und spielbasierte Settings, in denen ältere Menschen ihre Erfahrungen mit jüngeren teilen, sich gegenseitig beraten und gemeinsam prototypische Treffpunkte gestalten.
Silberwork versteht sich als offene Plattform: Es lädt dazu ein, eigene Räume für «Silberwork» zu entwickeln – vom nachbarschaftlichen Mittagstisch bis zum strukturierten Mentorat zwischen Ruheständler:innen und jungen Berufseinsteiger:innen. Ziel ist eine Kultur, in der Alter nicht Rückzug bedeutet, sondern eine Phase aktiver Mitgestaltung – für die eigene Gesundheit und für das soziale Gefüge, in dem wir miteinander leben.